25.02.2015

Die Bibliothek in der Hotellobby

Buchstadt St.Gallen startet Pilotprojekt für Tourismusgäste

Die Eröffnung der neuen Publikumsbibliothek in der St.Galler Hauptpost wird von lesebegeisterten St.Gallerinnen und St. Gallern mit grosser Freude erwartet. Aber auch Gäste aus nah und fern sollen die traditionelle Kultur, die in der Region rund ums Buch gelebt wird, geniessen können: Der Verein Buchstadt St.Gallen hat heute unter dem Patronat der Region Appenzell AR – St.Gallen – Bodensee die ‹Buchstadt-Hotelbibliotheken› eröffnet. Das Angebot richtet sich an Touristinnen und Touristen. In einer Pilotphase halten das Hotel Dom in St.Gallen und das Hotel Mozart in Rorschach für ihre Gäste ein ausgewähltes Sortiment an regionaler und Reise-Literatur zur unverbindlichen Ausleihe bereit. Weitere Hotels in der Region sollen folgen.

Reisen und Lesen – ein perfektes Paar

Ob als entspannende Lektüre in den Strandferien oder als Ergänzung zur kulturell orientierten Städte­reise: Reisen und Lesen ist eine perfekte Kombination, Hotels und Bücher ebenso. Nicht zuletzt deshalb bieten einzelne Hotels ihren Gästen Lesegenuss in der hoteleigenen Bibliothek an; so beispielsweise das Hotel Hof Weissbad bei Appenzell und das Kurhaus und Medical Center Oberwaid in Mörschwil. Viele Hotels haben aber nicht den nötigen Raum oder auch die personellen wie finanziellen Ressourcen für ein solches Angebot.

Die Hotelbibliothek als kompakte und attraktive Box

Mit der Buchstadt-Hotelbibliothek stellt der Verein Buchstadt St.Gallen nun ein Format vor, das es jedem Hotel ermöglicht, seinen Gästen mit wenig Aufwand und auf kleinem Raum ein ausgewähltes Buch­angebot in ansprechender Präsentation anzubieten. Statt einer verstaubten Zufalls-Auswahl von Büchern, die frühere Hotelgäste liegen gelassen haben, legt die Buchstadt-Hotelbibliothek Wert auf eine gepflegte Erscheinung. Die Plexiglas-Box mit dem Buchstadt-Logo ist ein Blickfang für die Reception oder die Hotellobby. Die Gäste können direkt vor Ort in den Büchern schmökern oder ein Buch mit aufs Zimmer nehmen. Und wer das angefangene Buch am liebsten gar nicht mehr zurückgeben möchte, kann an der Reception sein druckfrisches eigenes Exemplar erwerben. Nähe zu den Leserinnen und Lesern ist für Buchstadt-Geschäftsführer Claudius Krucker wichtig. «Wir wollen Buchkultur nicht nur in der Stifts­bibliothek und im Museum ausstellen, sondern sie auch im Alltag leben – und diese Kultur wollen wir auch zusammen mit unseren Gästen pflegen.»

Regionales und Lese-Häppchen

Die ausgewählten Bücher bieten einen spannenden Mix: Gedichte, ein Krimi, Kinderbücher, Philosophi­sches und Literatur mit einem regionalen Bezug – für jede und jeden das passende. Und nicht zuletzt soll die Buchstadt-Bibliothek auch ein Schaufenster für das regionale Buch­schaffen sein. So findet sich Manuel Stahlbergers Erwachsenen-Comic ‹Herr Mäder› neben Lyrik aus der Region und dem wohl bekanntesten Buch über die Stiftsbibliothek, ‹Fräulein Stark› von Thomas Hürlimann. Doch auch andere Literatur, die sich in kleineren Häppchen lesen lässt, fand Eingang in die Buchstadt-Hotelbibliothek.

Zudem soll die Auswahl entsprechend dem jeweiligen Standort ergänzt werden, beispielsweise mit Büchern zur Geschichte des Orts oder zu einem lokalen Wahrzeichen. «Das Spektrum ist breit, und bei den meisten Titeln kann man problemlos eine in sich geschlossene Einheit in einer Nacht fertiglesen – ausser beim Krimi, den wird man mitnehmen wollen», meint Leonie Schwendimann von der Buch­handlung zur Rose zur Buchauswahl.

Pilotprojekt mit zwei Hotels – und deren Gastronomiebetrieben

Für die Pilotphase, die heute anläuft, konnten zwei Hotels als Projektpartner gewonnen werden: Das Hotel Dom, das Designhotel in der St.Galler Altstadt, und das Hotel Mozart in Rorschach, einen Steinwurf vom Bodensee entfernt. In beiden Hotels kann die Buchstadt-Hotelbibliothek nicht nur von Hotelgästen entdeckt werden, sondern steht auch den Gästen des angeschlossenen Cafés bzw. des ‹Kloster-Bistro› gleich gegenüber der Stiftsbibliothek zur Verfügung.

Hans-Jakob Würsch, Leiter des Hotels Dom, war schnell für die Idee zu begeistern: «Ich liebe schöne Bücher, und das möchte ich auch unseren Gästen vermitteln. Die Buchstadt-Bibliothek gab uns nun den Anstoss, einen Raum entsprechend umzugestalten und einen attraktiven Lese-Raum zu schaffen.» Um konkurrenzfähig zu sein, muss man den Gästen immer wieder etwas Besonderes bieten. Auch für Susanne Tobler, die Gastgeberin im Hotel Mozart, passt die Idee der Hotelbibliothek sehr gut zu ihrem Konzept: «Es bereitet mir grosse Freude, unseren Gästen mit dem Pilotprojekt von Buchstadt St.Gallen ‹die Liebe zum Buch› näher zu bringen.»

Im Zusammenhang mit dem Pilotprojekt wurde auf der Website von Buchstadt St.Gallen auch eine eigene Einstiegsseite eingerichtet: Unter der Adresse hotelbibliothek.ch sind alle Informationen zum Projekt online verfügbar.

Flächendeckende Verbreitung als Ziel

Im Rahmen des Pilotprojekts, das von der Region Appenzell AR – St.Gallen – Bodensee unterstützt wird, werden nun Bücherauswahl, Wechsel-Rhythmus und Prozesse ausgetestet und optimiert, bevor das Konzept für weitere Hotels geöffnet wird. «Unser Ziel ist, dass sich unsere Gäste an der Buchstadt-Bibliothek in allen Hotels der Region erfreuen können», umschreibt Kathrin Hilber, die Präsidentin von Buchstadt St.Gallen, ihre Vision.

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